OSTSEE-ZEITUNG
Mittwoch, 31. Januar 2007

Marienkirchplatz wird Ruhezone

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Viele Passanten bleiben an dem hohen Zaun stehen, der einen Teil des St.-Marien-Platzes umspannt, und fragen sich, ob das Kirchenschiff wieder aufgebaut werden soll.

Wismar Frisches Mauerwerk auf dem Marienkirchplatz zeugt von Bautätigkeit, die immer mehr Raum in Anspruch nimmt. Die Parkflächen werden dadurch immer weiter dezimiert. „Das Kirchenschiff wird nicht wiederaufgebaut. Wir machen nur seinen Grundriss kenntlich“, stellte Kirchenbauamtsleiter Wolfgang Ferdinand klar. Nachdem das Gotteshaus in der Kriegsnacht vom 14. zum 15. April 1945 stark beschädigt und 1960 auf politischen Beschluss hin das Kirchenschiff gesprengt wurde, soll es definitiv nicht wiederentstehen. Aber die Nachwelt soll wenigstens die Ausmaße dieser gotischen Backsteinkirche erahnen können. Bereits vor Jahren wurde nach den Fundamenten gegraben. Regen und Frost drangen ins Mauerwerk unter der Erdoberfläche ein und wirkten zerstörerisch. Es war höchste Zeit, dem Einhalt zu gebieten, um zu retten, was zu retten ist. „Alles andere wäre nicht im Interesse unserer Stadt mit dem Status als Weltkulturerbe gewesen, zumal sich auch im Boden Grabanlagen befanden. Darauf zu parken ist entwürdigend“, sagte Wolfgang Ferdinand.

Mit der Baumaßnahme würde der denkmalgeschützte städtebauliche Raum hier mit Straßen- und Wegeführung neu geordnet entsprechend der Struktur des Gotischen Viertels, das dadurch aufgewertet würde. Die Planungen für die Neugestaltung Sargmacherstraße und die Freifläche des Kirchenschiffes würden vorliegen, sagte Ferdinand. Sie orientieren sich an Plänen aus der Zeit der Umpflasterung im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, aber auch an den heutigen Anforderungen. Bis Ende nächsten Jahres veranschlagt der Kirchenbauamtsleiter den Abschluss der Arbeiten an der Fundamentmauer, mit denen die Wismarer Firma Bauhandwerk Sturbeck befasst ist. Die Männer verarbeiten eigens georderte Ziegel im Klosterformat der dänischen Firma Falkenøwe. Sowie es Wetter und Städtebaufördermittel zulassen, werden die Maurerarbeiten fortgeführt. Die Fundamente sollen so hoch gezogen werden, dass Besucher nicht einfach drüberklettern könnten. Der Zugang zum Innenraum erfolgt durch die ausgesparten Öffnungen der einstigen Portale. Auf dem Gelände des einstigen Kirchenschiffes soll in den nächsten Jahren in Harmonie mit der Backsteingotikausstellung im Turm von St. Marien draußen ein Raum der öffentlichen Ruhe mit Sitzmöglichkeiten und Skulpturen angelegt werden. Die Eisenkugel von Ansgar Nierhoff musste nicht einmal bewegt werden. Sie konnte an ihrem Platz liegen bleiben. Die Tauzieher-Gruppe von Prof. Karl-Henning Seemann aus Baden-Württemberg, vielen Wismarern noch von ihrer zeitweiligen Präsentation vor dem Wismarer Rathaus in Erinnerung, hat seit Ende 2005 dort ihren Platz gefunden. Die Stadt kaufte die Bronzeplastik mit Befürwortung des Kulturausschusses als ihr Eigentum an. Ein paar Nummern kleiner nimmt sich dagegen die liegende Sofia aus. „Sie gehört dem Förderverein Redentiner Ostserspiel e. V., der sie der Stadt als Leihgabe zur Verfügung stellt“, weiß Andreas Nielsen, verantwortlich für Marketing in der Stadtverwaltung. Der Guss von 2005 entstand nach einem Modell aus dem Jahr 1991 von Bärbel Dieckmann. „Eine einzigartige Idee, den Sockel einer Kirche als Podest für Kunst zu nutzen!“, schwärmte die Berliner Künstlerin gegenüber OZ. Wenn auch Kunstliebhabern die Idee eines Skulpturenparkes verlockend erscheinen mag, gebe es dafür noch kein Konzept, das Haushaltsmittel binden würde, versichert Pressesprecher Frank Junge.

KARIN MUSILINSKI
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