Wertvolle Münzschätze in Schwerin ausgestellt  - drei Münzfunden an der St. Marienkirche  -
zitiert aus: Ostseezeitung vom 21.7.06
 
und 150 000. Besucher der Ausstellung „Wege zur Backsteingotik“ begrüßt, OZ vom 21.10.2006 - siehe unten


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"Schwerin (ddp) Viel ist nicht überliefert. Nur die Randbemerkung eines Wismarer Stadtarchivars belegt, dass in den Jahren 1495 und 1496 die Pest in der Hansestadt wütete. „Die Krankheit muss verheerend gewesen sein“, vermutet der Ausgrabungskoordinator Heiko Schäfer vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin. Die Pest habe damals selten länger als einen Sommer gedauert. Die Funde mehrerer Ver-stecke mit Münzen aus der Zeit um 1500 könnten nach seiner Ansicht ein Hinweis auf das Ausmaß dieser Katastrophe sein.

Im September 2005 fanden Archäologen bei Ausgrabungen an der Marienkirche gleich drei Münzschätze vom Ende des 15. Jahrhunderts. Die Funde sind seit Donnerstag erstmals einem breiten Publikum in der Sonderaustellung „Vom Hacksilber zum Golddollar – Münzschätze des Mittelalters und der Neuzeit von der Ostsee bis zur Lausitz“ im Schweriner Archäologischen Landesmuseum zugänglich.

Die drei Wismarer Goldschätze, wie sie jetzt heißen, geben Rätsel auf. Archäologen fanden sie alle an der Marienkirche – beinahe an der gleichen Stelle. „Vermutlich ge-hörten sie verschiedenen Menschen“, sagt Landeskurator Friedrich Lüth. Nummer eins umfasst 95 Münzen, die in einem Rinderhorn steckten. Dieses wiederum lag in einem kleinen Bronzekessel mit drei Beinen. Schatz Nummer zwei ist mit 500 Silbermünzen der größte und steckte in einem unscheinbaren Metallbecher. Fund Nummer drei besteht aus 34 Geldstücken und war in einem kleinen Keramikbehälter verwahrt. „Nirgends war ein Goldstück dabei“, sagt Schäfer.

Laut Schäfer stammt die älteste Münze aus dem Jahr 1483 und die jüngste von 1490. Bei den Münzen lagen auch kleine Perlen, Reste eines Rosenkranzes. „Wir haben laut nachgedacht, ob es sich um eine Opfergabe handeln könnte“, sagt Schäfer. Wahrscheinlich sei, dass die Besitzer die Münzen wieder abholen wollten. Auffallend sei auch, dass seit 1846 inklusive der aktuellen Funde insgesamt zwölf geheime Gelddepots unterschiedlicher Wertumfänge an der Marien- und der Nikolaikirche in Wismar entdeckt wurden. „Diese Häufung von Münzen aus einer Zeit ist ungewöhnlich“, sagt Schäfer.

Lüth betont, dass Münzfunde oft auf historische Schreckensereignisse hinwiesen. So seien während des Dreißigjährigen Krieges im Land viele Münzen versteckt worden. Etliche Silbermünzen, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind, wurden in Anklam gefunden. „Wir konnten sie auf 1629 datieren. Damals gab es dort eine Schlacht zwischen den Schweden und Preußen“, sagt Lüth.

Dass die auffällige Häufung der Geldverstecke an den beiden Wismarer Kirchen mit einer Pestepidemie zusammenhängen könnte, ist für Schäfer die bisher logische Erklärung. Zwar sei die Hansestadt 1511 von dänischen Truppen belagert worden. Das sei aber glimpflich abgelaufen. „Die Dänen haben den Hafen zerstört, aber bei der Belagerung ist kaum ein Wismarer gestorben“, sagt Schäfer.

Die drei Münzschätze wurden im Herbst 2005 durch Zufall gefunden. An der Marienkirche, die im 13. Und 14. Jahrhundert erbaut und im Zweiten Weltkrieg bis auf den Turm zerstört wurde, legten Archäologen das Fundament frei. Denn die Ruinenreste waren zu DDR-Zeiten abgetragen worden, um dort einen Parkplatz zu bauen. Seit nunmehr fünf Jahren versuchen Archäologen, das Kirchenfundament zu rekonstruieren, um eine begehbare Ruine zu erschaffen.

„Dieser Umstand war ein echtes Glück“, sagt Lüth. Die drei Münzschätze waren vollständig und konnten genau datiert werden. Ob sie tatsächlich Belege für eine Pestepidemie sind, soll weiter erforscht werden.

Die Schau ist bis 6. November täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr im Archäologischen Landesmuseum in Schwerin zu sehen."

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Wochenendausgabe, 21. Oktober 2006 : 150 000. Besucher der Ausstellung „Wege zur Backsteingotik“ begrüßt

Wismar Die Überraschung war gelungen. Gegen 11.30 Uhr ging gestern Kai-Michael Stybel, Leiter der Wismarer Touristinformation, auf eine junge Familie zu, die gerade ahnungslos das Ausstellungsgelände am Marienkirchturm betreten hatte: Katrin und Thomas Esche mit ihren Söhnen Tim (5) und Marc (7) und natürlich nicht zu vergessen dem gerade mal elf Wochen alten Golden Retriever Lucy. Die Familie aus Falkenberg, ein Ortsteil von Callenberg in der Nähe von Chemnitz, war in diesem Jahr 150 000. Besucher der Ausstellung „Wege zur Backsteingotik“ im St.-Marien-Kirchturm. So wirklich glauben wollten es die Urlauber, die ihr Feriendomizil auf Poel aufgeschlagen haben, zuerst nicht. Doch spätestens der Blumenstrauß von Ausstellungskoordinatorin Elisabeth Nöhring und die CD-Rom sowie ein Katalog zur Ausstellung ließen alle Zweifel schwinden.

„Es ist traumhaft hier“, schwärmte Katrin Esche vom Urlaubsaufenthalt der Familie. Und der gestrige Tag war nun schon der dritte Ausflug in die Hansestadt. In der Georgenkirche hatte Tim von seinem Urlaubsgeld zehn Cent für einen Backstein gespendet, das Buddeln am Strand fanden beide Kinder toll – einschließlich Lucy – und Marc wollte sich unbedingt noch einmal die großen Schiffe im Hafen und an der Werft ansehen.

Immer noch strömen Besucher in die Ausstellung „Wege zur Backsteingotik“, die 2002 eröffnet wurde. Im Durchschnitt sind es zwischen 500 und 600, am Wochenende auch durchaus mal an die 1000. Bereits dreimal wurde in diesem Jahr der tägliche Spitzenrekord von 1800 erreicht, berichtet Elisabeth Nöhring.

Erwähnenswert findet Kai-Michael Stybel, dass der 150 000. Besucher in diesem Jahr bereits im Oktober begrüßt werden konnte, 2005 war diese Zahl erst zur Jahreswende erreicht worden. „Es ist also eine steigende Zahl der Besucher abzusehen“, so die Einschätzung von Stybel. Bis Ende Oktober gelten noch die Hauptsaison-Öffnungszeiten bis 20 Uhr, ab November ist die Ausstellung dann nur noch von 10 bis 15 Uhr zu sehen.

CH. R.
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