Konturen von St. Marien sichtbar; Ostseezeitung vom Donnerstag, 10. November 2005

Wismar „Hoffentlich bleibt das Wetter noch lange so offen, damit wir ordentlich was schaffen“, meint Heinz-Jürgen Sturbeck, Inhaber der Firma Bauhandwerk Wismar. Gemeinsam mit vier Mitarbeitern ist der 65-Jährige seit einem Monat dabei, die Konturen des zerstörten Schiffes der Wismarer Marienkirche wieder erkennbar zu machen. Über vier Jahrzehnte lagen die Fragmente unter dem Asphalt verborgen. Nach und nach aber lassen die erneuerten Grundmauern und Pfeilerstümpfe den Umriss des gewaltigen Bauwerks wieder erahnen.

Die Bauleute haben den Stafettenstab von der Firma IHB 04 übernommen, die zuvor die Fundamente freilegte und neu aufmauerte. Nun sind Heinz-Jürgen Sturbeck und seine Leute bis Anfang kommenden Monats damit beschäftigt, die südliche Mittelwand und die Westseite der Sakristei bis 50 Zentimeter über dem Erdboden hochzuziehen. Hinzukommen noch Fundamente für drei so genannte Strebepfeiler. Gebaut wird mit den typischen, dunkelroten Klosterformatsteinen, hergestellt in Dänemark. Insgesamt, berichtet Kirchenbauamtsleiter Wolfgang Ferdinand, sollen allein in diesem Jahr 250 000 Euro für den Außenbereich eingesetzt werden.

Für Heinz-Jürgen Sturbeck sind die Arbeiten eine Herzenssache: „Ich bin gebürtiger Wismarer. Als Kind habe ich das herrliche Bauwerk noch unzerstört gesehen. Deshalb freue ich mich, dass meine Firma in diesem Jahr den Auftrag erhalten hat, einen Teil des Kirchenumrisses wieder sichtbar zu machen.“

Viele Einheimische und Touristen verfolgen in diesen Tagen die Bauarbeiten am Fuße des Kirchturms mit großem Interesse. Zu ihnen zählen auch Karin Ehlers und Reinhard Pieper aus Rostock. „Wir finden es wunderbar, dass in Wismar so viel dafür getan wird, historische Bauten zu erhalten. Vielleicht werden künftige Generationen auch die Marienkirche wieder neu erstehen lassen, zumal ihre festen Fundamente ja offensichtlich erhalten blieben und gerade saniert werden“, meint das Paar.
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