OSTSEE-ZEITUNG

Wochenendausgabe, 03. Februar 2007
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Gutes tun und darüber reden

Wismar wird immer reicher. Nämlich an Attraktivität. Ausländisches und deutschlandweites Lob geht uns runter wie Öl. Es tut nicht nur gut, sondern beflügelt auch die Ideen im Vorwärtsgang. Immerhin lebt auch der Wismarer nicht nur vom Brot allein. Trotz aller Abstriche, die auch in dem aktuellen Haushalt wieder bei Kultur und Kunst gemacht werden mussten, hat dieser Bereich seinen festen Platz im Leben unserer Stadt. Schließlich vergeht kaum eine Woche ohne Ausstellungseröffnung. Baumhaus, Gerichtslaube, Schabbellhaus, Zeughaus, Volkshochschule machen von sich reden.

Dem aufmerksamen Passanten werden Veränderungen im Stadtbild auffallen, ohne dass sie mit der Nase drauf gestoßen werden. Beispiel: Marienkirchplatz. Die Diskussionen über den verschwundenen Spielplatz sind längst zu Ende. Die Bürger haben sich an den status quo gewöhnt, nachdem Eltern zornig die Stirn runzelten und Autofahrer flohlockten. Denn auf die Fläche, auf der sich einst Kinder tummelten, wurde die Parkfläche am Kirchturm hin erweitert. In dem Bereich von der Einmündung Sargmacherstraße in Richtung Kellerstraße wurde das Parken inzwischen enorm dezimiert, weil seit August vorigen Jahres der Verlauf des Kirchenschiffs durch Aufmauern einiger Schichten des Fundaments sichtbar gemacht werden (OZ berichtete). Diesmal stellte der Bauzaun die Parker vor vollendete Tatsachen. Zwar schuf die Stadt für sie einen Ausgleich an der Turmstraße. Aber dass die neueste Errungenschaft der Stadt eventuell Skulpturenpark heißen soll, wird nicht nur den Wismarern, sondern auch einigen Stadtbediensteten neu sein. Zur Aufwertung des Gotischen Viertels hat auf der Fläche des Kirchenschiffes Kunst ihren Platz gefunden: die Kugel von Ansgar Nierhoff, die Tauziehergruppe von Prof. Karl-Henning Seemann und die liegende Sofia von Bärbel Dieckmann. So überraschend die letztgenannte Bronzeplastik auftauchte, ist sie wahrscheinlich nicht die letzte. Bliebe zu hoffen, dass die Bürger demnächst öffentlich Anteil nehmen dürfen am Werden und Wachsen dieser schönen Ruhezone. Gibt es einen Grund dafür, Gutes zu tun und nicht darüber zu reden?

KARIN MUSILINSKI
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