Die Sprengung der St. Marienkirche zu Wismar vom 6. bis 26. August 1960
                                                       Besuchen Sie unser Gästebuch:

Diskussionsforum
 

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchte ich Sie ermuntern trotz oder gerade wegen der schlechten wirtschaftlichen Zeiten die Marienkirche wieder zu errichten.

Zeigen sie durch kreative Ideen handwerklicher, kulturhistorischer und künstlerischer Art, dass dies auch in unserer Zeit möglich ist.

Gerne möchte ich auch einen finanziellen Beitrag dazu leisten.

 
Mit freundlichen Grüßen

O. D.
 

Sehr geehrte Mitglieder des Fördervereins!                                                                                August 2009

Da ich vor dem Kriegsende (2.W.K.) geboren wurde – noch dazu in Bozen, am südlichen Ende des deutschen Sprachraums – aber als Kind die ersten Wiederaufbaumaßnahmen  an den Lübecker Kirchen (darunter die Schwesterkirche St. Marien) bestaunen konnte, ist mir das Schicksal dieser imposanten „Leuchtturmkirche“ in Wismar nicht gleichgültig. Natürlich kann man als arbeitsloser Architekturschaffender, der kurz vor seiner Pensionierung steht, keine Bäume ausreißen. Ich muss auch leider abwinken, was finanzielle Beiträge zu Euerm Vorhaben betrifft (da fände ich kein Ende) – dennoch möchte ich, da ich in den frühen 1990er Jahren einmal Wismar besuchen konnte, die Aktivitäten Eures Vereins mit viel Applaus bedenken! Lasst Euch nicht durch zeitgeistbedingte Schwierigkeiten von Euerm Vorhaben abbringen. Gerade gemeinsames „Herzblut“, das für eine Sache vergossen wird, stärkt die Gemeinschaft – hoffentlich auch die Zuversicht, dass die Bemühungen durch einen gütigen Gott wohlwollend erkannt werden!

Was die Wichtigkeit der Kontinuität von historischer Bausubstanz für die Identität einer Bürgerschaft betrifft, konnte man ja schon lange vor der Wiedererrichtung der Frauenkirche an den vielen Beispielen in Polen ablesen (Warschau, Danzig, etc.), die für die Stadtbewohner nach den Kriegsverwüstungen einen heimatlichen „Ankerplatz“ boten – trotz vieler kritischer Stimmen, die eine reine Rekonstruktion ohne vorhandene Bausubstanz als potemkinsche Dörfer abqualifizierten (zumindest heute würde sich wohl kaum ein Architekt zu einem reinen Nachbau verstehen können).

Was aber ein wirkliches Dilemma zu sein scheint, ist ja die Tatsache, dass man wohl die materielle Bausubstanz wiederherstellen könnte (was ich auch Euch Wismarern wünschen würde – eben aus diesen gemeinschaftsbildenden Motiven; auch die Stadt und der Tourismus würde ja wohl von einem komplettierten „gotischen Viertel“ profitieren). Was aber fraglich ist, ob durch so einen Bau (analog zu den mittelalterlichen Vorvätern) die Materialisation eines großen religiösen Selbstverständnisses erfolgen würde – oder doch eher eine reizvolle Zurschaustellung finanzieller und technischer Potenz.

Um tatsächlich die geistig/“religiösen“ Grundlagen unserer Zeit in heutigen technisch-architektonischen Ausdrucksformen zu finden, muss man wohl lange suchen (und selten sind es Beispiele des gemeinschaftlichen Wollens einer ganzen Bürgerschaft). Es sind ja andere Kräfte, die heute die himmelragenden Bauwerke herstellen… insoferne kann man zwischen den abrisswütigen „fortschrittlichen“ SED-Bonzen von 1960 und heutigen Materialisten keinen allzugroßen Unterschied feststellen.

Man manifestiert heutzutage seine Teilnahme an der öffentlichen Kultur offenbar lieber durch finanzielle Unterstützung von werbewirksamen Sport- oder Kunstveranstaltungen jeder Art, hauptsächlich aus Marketing-Überlegungen.

Trotzdem: wenn mir das Lutherzitat nicht völlig daneben gerät: um Euren Bemühungen Rückenwind zu geben möchte ich abschließend sagen: „und wenn morgen die Welt unterginge, so pflanzte ich trotzdem noch heute ein Apfelbäumchen“!

Viel Glück beim Wiederaufbau von St. Marien – woanders ist es auch gelungen!

Alles Gute und liebe Grüße von der Donau an die Ostsee!

C. R.
 
 
 
 

Der Versuch einer Antwort auf die Frage nach dem Wiederaufbau:

"Sehr geehrter Herr C.,

ich will heute auf Ihre Frage nach dem Wiederaufbau antworten. Es ist eine schwere Frage, die in Wismar nicht so leicht zu beantworten ist und mit dem Wiederaufbau der Dresdener Frauenkirche kann St. Marien in Wismar nicht verglichen werden.

Die St. Marienkirche ist zwar kriegsbeschädigt gewesen, aber die wirkliche Zerstörung dieser Kirche geschah im August 1960 als Willkürakt von DDR-Funktionären, aus Gedanken- und Respektlosigkeit der Bürger und Couragemangel der Kirchen.
Der letzte Satz aus dem Buch von Scheunpflug -
" .... "Der Abriss der Marienkirche ist das Ergebnis einer komplizierten lokalpolitischen Konstellation, vor dem Hintergrund einer Zeit, die in Planungseuphorie und Wertschätzung von Morderne dem Erhalt des Alten wenig Stellenwert beimaß. Die Stadt Wismar verlor damit eines ihrer wertvollsten Kulturdenkmäler, dessen Verlußt noch heute schmerzlich im Bewusstsein bleibt."  (zit. aus: Robert Scheunpflug  "Zur Herstellung von Leichtbauelementen geeignet..." - Der Abriss der Marienkirche Wismar im Kontext von Staat, Kirche und Denkmalpflege, Hrsg.: Gesellschaft für Regional- und Zeitgeschichte e. v. 2007) -
beschreibt die Situation treffend.

Heute ist uns der Verlust dieser Kirche in Wismar mehr den je bewusst, denn das Alte und die hanseatische Geschichte sowie die damit verbundene Tradition von Bürgerstolz und Gottesfurcht, zählen wieder in einer  Zeit, in der es vielen Menschen offensichtlich an Werten und Ausrichtung fehlt. Aber reicht das aus, eine gotische Kirche dieser Ausmaße wieder aufzubauen? Die Freude über den Wiederaufbau der Dresdener Frauenkirche ist vor allem die Freude und Genugtuung der älteren Generation, der über 70Jährigen, die Krieg und Wiederaufbau erlebt haben und für die der Dresdener Altmarkt eine offene Wunde blieb. Ist der Marienkirchplatz im Bewusstsein der Bürger Wismars eine solche Wunde?
10 Jahre lang betreibe ich nun diese Homepage, weil u. a. mein Großvater einer der Bürger war, die entschieden Widerstand gegen die Sprengung geleistet haben; an diese mutigen Männer und Frauen aus dem Sommer 1960 will ich erinnern.
Der meiste Zuspruch zum Wiederaufbau kommt jedoch nach wie vor von Nicht-Wismaranern.

Darum finde ich es erst einmal richtig, den Platz mit den Kirchenringmauern städtebaulich zu sichern und jeden Bürger und Gast der Hansestadt daran zu erinnern, dass hier einst eine Kirche stand. Die nächste Generation mag dann entscheiden, ob hier weitergebaut werden soll.
Ich selbst finde die Idee, hier eine historische Bauakademie für die Studenten im europäischen Kontext zu eröffnen, gut. Hier könnten einschlägige Studiengänge aus ganz Nordeuropa lernen und erproben, wie die Baukunst der Gotik im Backstein Gestalt gewinnt.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr C. W. (Administrator der Seiten)


 

Herr C. schreibt im Oktober 2008 zum möglichen Wiederaufbau der St. Marienkirche:

"ich habe wärend meiner Studienzeit einige Jahre in Wismar gelebt und während dessen wurde mir die Schönheit der Stadt erst richtig bewusst. Es ist wirklich bemerkenswert wie sich das Stadtbild (der Altstadt) seit der Wiedervereinigung gewandelt hat.
Nur eine Narbe ist leider geblieben. Ausgerechnet St.Marien, das schon aus der Ferne schillernde Wahrzeichen der Stadt besteht nur noch aus dem Glockenturm. Für mich ist es nicht schlüssig warum der Wiederaufbau dieses bedeutenden Bauwerks nicht fossiert und vorangetrieben wird. Hat Wismar nicht gerade jetzt, wo die Stadt zum Unesco Weltkulturerbe gehört eine besondere Verantwortung? Oder ruhrt Sie sich nun auf diesen Lorbeeren aus?
Die Bürgermeisterin, die wie ich finde ausserordentliches für die Stadt geleistet hat, spricht von St. Marien als Mahnmal. Stellt sich nur die Frage; "Mahnen vor was?" Das mittelalterliche Bauwerk wurde im Krieg beschädigt. Statt die vergleichsweise mäßigen Schäden zu beheben entschied sich die SED zu dem Frevel der Sprengung der Ruine. Trotz der Narbe in Wismars historischen Innenstadt sterben wieder Deutsche Soldaten im Krieg, und auch die SED Nachfolgerpartei PDS erfreut sich wachsender Beliebtheit. Ich bin der Meinung das Mahnungen vor Krieg und Diktatur nicht durch zerstörte Gebäude sondern durch Bildung und Aufklärung begreiflich gemacht werden müssen. Mit der Titelung des Mahnmals macht es sich die Bürgermeisterin meines Erachtens zu einfach. Überall in den neuen Bundesländern werden zerstörte historische Kirchenbauten wieder aufgebaut. Herausragendes Beispiel bildet hier die Dresdener Frauenkirche. Auch in kleinen, kulturell eher minder bedeutenden Ortschaften finden Aufbaumaßnahmen statt. Und St. Marien soll als Mahnmal ruinös verweilen? Das ist gerade zu lächerlich.
Dabei wäre der Wiederaufbau mit nur einem Bruchteil der Kosten für die Frauenkirche zu veranschlagen. Selbst die Restaurierung von St. Georgen (ca.35€Mio) dürfte weit aus mehr Gelder verschlingen als eine Rekonstruktion von St.Marien. Grundlage dafür ist jedoch ein ausgefeiltes Finanzmanagement und eine exzelente Koordination, denn je schneller das Projekt abgeschlossen ist um so günstiger wird es.
Neben dem positiven wirtschaftlichen Effekt (auch die Einbindung langzeitarbeitsloser ist hier denkbar) dieser öffentlichen Investition würde auch die Stadt durch gezieltes Marketing zum Wiederaufbau dieses bedeutenden Bauwerks profitieren und mehr Touristen anziehen.
Fazit: Aus kulturellen und ökonomischen Gesichtspunkten ist der Wiederaufbau von St. Marien dringend zu empfehlen."
 

Ein Reiseleiter schreibt im September 2007:
"Ich habe vergangene Woche mit einer Reisegruppe St. Marien besucht. Wir haben es schmerzlich empfunden, dass diese Kirche gesprengt wurde. Es ist müßig, nach dem (den?) Schuldigen zu fragen, dieses Kulturgut ist für immer verschwunden, ausradiert vom Hass. Die Geschichte hat ihr Urteil über diese Barbarei gesprochen.
Überaus positiv haben wir empfunden, was es heute noch zu sehen gibt, wie man die Erinnerung an die Kirche pflegt und was man den Besuchern heute bietet. Der 3 D- Film über den Bau gotischer Kathedralen ist ausgezeichnet und die liebenswürdigen und sachkundigen Erklärungen durch einen Herrn in brauner Kutte haben uns sehr gefallen.
Danke!"

L. M.

Herr Markus S.-G. aus Bremen schreibt:
Vielen Dank für die wichtigen Beiträge zur Geschichte der Marienkirche. Dies umso mehr als Stadtführer hierzu nicht wirklich Auskunft geben können, wie bei unserm Besuch an diesem Wochenende. Das Personal im Souvenir-Häuschen vor den drei Turm-Eingängen antwortete auf unsere Frage, ob denn die Sprengung durch den baulichen  Zustand nach den Kriegsschäden begründet war, das sei unbekannt.
An der Tür zum Ausgang entdeckten wir dann einen Hinweis auf diese Seite. Soviel Ignoranz erschüttert fast ebenso, wie die Geschichtslosigkeit des SED-Regimes, der Stadt Wismar eine solche Zerstörung anzutun.

Mit freundlichem Gruß aus Bremen,

Markus S. G., Bremen
 

Herr F. P. schreibt aus Goldbach:
Im Juni dieses Jahres habe ich bei der Tourist-Information am Markt eine Ansichtskarte Wismar um 1910 - St. Marien gekauft. Erst heute sehe ich, was da auf der Rückseite geschrieben steht:
"Hansestadt Wismar - UNESCO Welterbe, Bundesland Mecklenburg-Vorpommern
Kurz vor Kriegsende, am 14./15. April 1945, zerstörte ein schwerer Luftangriff der Alliierten u. a. die Marien- und Georgenkirche. Während von der Marienkirche nur der Turm erhalten blieb, erfolgt seit 1990 der Wiederaufbau der Georgenkirche."
Es fällt auf, daß hier nur die halbe Wahrheit gesagt wird, eigentlich noch viel weniger, was die Wahrheit doch einigermaßen verfälscht. Von der Sprengung 1960 wird kein Wort erwähnt und da fällt mir jetzt auch wieder ein, daß bei unserer Stadtrundfahrt hierüber auch kein Wort gefallen ist, es gab nur die Luftangriffe. Derart wichtige Tatsachen gehören dazu und dürfen nicht einfach weggelassen werden.
Ja, es wäre wunderbar, wenn man St. Marien wieder aufbauen könnte.
Mit besten Grüßen
F. P.


Liebe Interessierte,
vielleicht sollte man einen Wiederaufbau der Marienkirche konsequent und ohne Scheu angehen.
Das wäre ein großes Ziel, dem sich die Kirchen, die Ingenieur-u. Architektenschaft, die Bauwirtschaft, die Stadt und auch die
Landesregierung verschreiben sollten.
Dresden, Köln, Danzig und viele andere Beispiele beweisen, daß es geht. Was ist mit einer Stiftung?
Gruß T.O.

Am 15. April schreibt Herr B. aus Rostock:

"mit Freude habe ich die verschiedenen Beiträge zum Thema „St.Marien“ gelesen. Wie schön, dass es so eine Website gibt. Das lässt Hoffnung auf die Zukunft
aufkommen. Zum erwähnten Parallelbeispiel „St.Jakobi Rostock“ möchte ich allerdings anmerken, dass ich die
dortige Gestaltung des Kirchengeländes keineswegs für vorbildlich halte. Ich wohne seit vier Jahren in Rostock und habe in diesem Zeitraum die Vorgänge mit Interesse, aber zunehmendem Schmerz und Ärger verfolgt. Es begann damit, dass schweres Baugerät aufgefahren wurde, bevor Archäologen überhaupt beteiligt wurden, die dann wieder nur die üblichen „Notgrabungen“ durchführen konnten, als ob niemand gewusst hätte, dass die gesamten Fundamente der Kirche, mithin also alles, was sich unter der Oberfläche befindet, vorhanden waren. Die Zerstörung der Kirche wurde also fortgeführt und endete vorläufig 2003 mit ihrem letzten Akt. Beschämend war in der Presse zu verfolgen, wie die freigelegten Grüfte, Grabplatten und anderes kurz der Öffentlichkeit präsentiert werden konnten, bevor sie dann zugeschüttet, beseitigt oder entnommen wurden. Alles hatte sich dem architektonischen Konzept unterzuordnen. Und dieses sah und sieht nämlich nicht eine „würdige Gestaltung“ mit mahnendem Erinnerungswert vor, sondern ist bemüht, statt Rücksichtnahme auf das Ergebnis eines barbarischen Verbrechens dessen Folgen behutsam der Umgebung anzugleichen. Und diese besteht beidseitig aus Tempeln des Handels, im Volksmund „Kaufhäuser“ genannt. So wurden in ästhetisch brutaler Weise Schlangenlinien aus Beton eingelassen, merkwürdige „Kolonnaden“ aus Steinplatten errichtet, die ästhetisch völlig dem Stil moderner Kaufhäuser entsprechen, keineswegs jedenfalls dem mittelalterlicher Bauten. Dadurch ist der Grundriss der Kirche nur demjenigen einsichtig, der vorbereitet das Grundstück betritt, wenn auch die Gedenktafeln für die vernichteten Ausstattungsgegenstände gut gemeint sind. Das alles wird Wismar hoffentlich erspart bleiben. Im übrigen schließe ich mich den Aussagen der meisten Forenteilnehmer an. Der Wiederaufbau von St.Marien ist aus städtebaulichen, geschichtlichen und ästhetischen Gründen eine Selbstverständlichkeit. Leider ist er unter den gegenwärtig herrschenden Bedingungen undurchführbar. Auch darauf wird in den Texten behutsam eingegangen. Insofern wird die Ausführung späteren Generationen vorbehalten sein.
Mit freundlichen Grüßen    J. v. B., Rostock"


Frau G. aus Lübeck schreibt ebenso am 15. April:

Ich wohne in Lübeck und kann mich noch gut erinnern, wie unsere Kirchen nach dem Krieg aussahen. Heute ist alles wieder aufgebaut und erstahlt wieder neu. Es ist so schade, das dieses in Wismar nicht möglich war. Die Marienkirche hat es verdient wieder aufgebaut zu werden,damit Wismar ist eine so schöne Hansestadt, dass es sich lohnt zu investieren.      Mit freundlichen Gruss B. G.
zurück
 

H.S. und K.K. aus Bad Bevensen schreiben:
"Wir waren im Februar 2006 in Wismar und haben dabei das Plakat zu der Ausstellung über das Schicksal der St. Marienkirche entdeckt und Auszüge in der St. Nikolaikirche gesehen. Wir waren ebenfalls sehr erschüttert darüber, dass die Bombenruine der Kirche nicht wieder hergestellt wurde, sondern nach jahrelanger Verwahrlosung von der Regierung der DDR 1960 schließlich gesprengt wurde. Es ist umso wichtiger, dass die Erinnerung an die Kirche lebendig gehalten wird und gemahnt wird, dass sowohl Weltkrieg wie auch politisches Regime ein solches Bauwerk und religiöse Stätte auf dem Gewissen haben!"
 

Mitte August 2005 schreibt aus den Niederlanden Herr M. van D.:

Sehr geehrte Freunden der Marienkirche,
ich habe große Bewunderung für das Backsteingotik in die alte Hanzestädten. Auch in der niederländische Hanzestadt Groningen finde man Gebäude in Backsteingotik. In meinem Haus hängt ein Gemälde des Marienkirche von Wismar an den Wand.
Am 15. Juli 1985 habe ich die Wismarer Turm fotografiert, noch in der Zeit "unter Erich Honecker". Es war ein Reise mit Zittern und Zagen von Grenzübergang Selmsdorf bei Lübeck ab. Kurz nach den Fall des „Mauer” machte Ich auf meinem Fahrrad ein Tour durch die ehemalige DDR und habe Wismar noch einmal besucht. Zufolge einem Heft aus 1985 wurde die Marienkirche in Wismar durch Anglo-Amerikanen zerstört. Aber Ich habe jetzt die Fotobilden von zwischen 1945 und 1958 auf Internet gesehen. Auf diese Weise, Beschädigungen sind halb so schlimm. Ich bin jedoch sehr tief entsetzt, daß das großenteils aufrechte Schiffe des Kirche 1960 durch die SED-Kommunisten gesprenngt waren!
Welche Kulturbarbaren, diese Landverräters müssen für dieses bestraft werden, wenn sie noch im Leben sind. Das Gesicht von Wismar ist schrecklich verstümmeltes geworden.
Ich hoffe, daß diese Wismarer Marienkirche wiederaufgebaut werden soll, mit als Beispiel der Kant-Kathedral in Kaliningrad (früher Köningsberg).
Mit viele Grüßen von M. van D.  aus Westernieland (Niederlände)


zurück
 

(Eintrag vom 2.8.05)
Liebes Gästebuch
Ich war letzte Woche unterwegs in Mecklenburg und besuchte die Ostseestädte von Lübeck bis Stralsund.
Ich war von der Stadt Wismar ganz beeindruckt und las über die traurige und schockierende Geschichte der Marienkirche und ihrer Sprengung durch das DDR-Regime.
Wer war der, der den Befehl gab?
Ich fände auch eine neue Wiederaufbau der Kirche trotz aller Probleme und Einwände durchführbar und wünschenswert.  Dies ist bei der Frauenkirche in Dresden passiert.  Es gibt auch andere Beispiele wie das Schloss in Warschau, fast die ganze Altstadt von Danzig und jetzt die Stadtschloss in Berlin, die ganz von Neubeginn wiederaufgebaut werden.   Die Marienkirche in Vergleich zu einigen derletzten wäre ein sehr kleines Projekt.

Dr.  T. A. F.
 

Dr. K. schreibt im April 2005:
Für die eindringlichen, erschütternden Bilder danke ich Ihnen. Wir haben
gestern u. heute Wismar besucht, waren sehr beeindruckt von den
Restaurierungen der Altstadt. Man findet kaum etwas über den Zustand von
St.Marien vor der Sprengung, umso wichtiger ist Ihre Arbeit. Vielen
Dank. Dr.  K.


Am 4.1.05 schreibt Prof. T. O:
Ihre Anstrengungen zur Erinnerungsbewahrung möchte ich unterstützen. Ich halte den Wiederaufbau der Marienkirche nicht für unrealistisch. Man sollte einen Kirchenbauverein gründen und eine ökumenische Kirchennutzung anstreben. In Köln gibt es eine Dombaulotterie. Bei konkreten Projekten fließen i.d.R. auch Spenden. Der Islam hat in den letzten 10 Jahren an die 700 Moscheen in der BRD gebaut - auschließlich mit Spendengeldern.
Das sollte uns Ansporn sein, beste Wünsche für 2005 Prof. T.O.
 

Frau K. T. aus Dänemark schreibt Mitte August 2004:
 

Ich finde die Homepage sehr beeindruckend Den Videofilm über die Zerstörung der Kirche im Jahre 1960 sah ich zum erstenmal bei dem Jubiläum der Neuen Kirche 2001. Ich werde nie die erschütterte Stimmung in der Kirche vergessen, als die Mauern zusammenbrachen . Als ich den kleinen Film jetzt wiedersah, hatte ich dasselbe Gefühl nocheinmal. Natürlich könnte man sich die Marienkirche in der alten Gestalt wünschen, aber das würde unheimlich viel Geld kosten, und nun wo Sankt Georgen wiederaufgebaut wird, finde ich es richtiger eventuelles Geld für das Leben und das Wachsen der Kirche zu verwenden.


zurück
 

Ein weitere Beitrag von J. M. :
" ... Wie gesagt machen Sie keine halben Sachen, und beharren Sie darauf, dass die Kirche wiederaufgebaut wird.Alles andere hat keinen Sinn.
Die Ansicht der Bürgermeisterin, dass uns der Platz mahnen soll, wozu frage ich mich, halte ich für geradezu grotesk.
Das Menschen kriminell sein können weiß ich schon lange, und muß es immer wieder erfahren.
Der leere Platz ist geradezu eine Beleidigung oder besser eine Verletzung für alle, die ihn betreten und besichtigen.
Dieser Zustand hält den Erfolg der Verletzungshandlung für die Täter aufrecht. Es ist deshalb nicht hinnehmbar, dass diese Verletzungshandlung
Stunde für Stunde und Tag für Tag wiederholt und noch vertieft wird.
Den Tätern ist haarklein vor Augen zu führen, dass Sie letztlich keinen Erfolg hatten, und ihr Handeln völlig sinnlos war. ... " (Auszug)
 

J. M. aus Giffhorn schreibt:

ich bin zufällig auf Ihre Seite über die Sprengung der St Marienkirche in Wimar gestossen. Lange Rede kurzer Sinn, ich plädiere kompromisslos für den originalgetreuen Wiederaufbau der Kirche.

Die Verbrechen der DDR Politik aber auch der westdeutschen autogerechten Stadtplanung sollen nicht zementiert werden.

Außerdem ist die Marienkirche ein unverzichtbarer Bestandteil des Wismarer Stadtbildes als Gesamtkunstwerk. Warum soll das, was in anderen Städten, wie in Dresden oder Hildesheim möglich ist, nicht auch in Wismar möglich sein. Ich rege an, eine bundesweite Stiftung oder einen Verein zum Wiederaufbau verlorengegangener Gebäöude zu gründen, um den zerstörten Städten die gewachsenen Gesichter zurückgeben, und ihren Bewohnern und Besuchern die Identität dieser Städte vor Augen führen zu können.

zurück
 

Dr. W.-V. I. aus  München schrieb zu Beginn 2004:

Im September 2003 besuchte ich, der ich in München lebe und arbeite, meinen jüngeren Bruder, der von der Universität Freiburg im Breisgau an die Universität Rostock gewechselt war, und hatte dabei die Gelegenheit, auch die wunderschöne Hansestadt Wismar zu sehen. Wie gesagt, eigentlich wunderschön - mit gutem Grund wurde die Altstadt in das weltweite Kulturerbe aufgenommen -, wäre da nicht eine für den unbedarften Besucher unangenehme Überraschung: das Wahrzeichen Wismars, welches den ankommenden Reisenden schon aus großer Entfernung begrüßt, ist gewissermaßen nichts als eine Ruine. Nun wäre das nicht weiter schlimm, da es doch auch andernorts Ruinen von großer Bekanntheit gibt, die als Wahrzeichen dienen, beispielsweise das Heidelberger Schloss. Im Unterschied dazu ist die Wismarer Marienkirche allerdings nicht Resultat mehrere Jahrhunderte zurückliegender kriegerischer Auseinandersetzungen, sondern das Ergebnis eines kulturellen Vandalismus der jüngeren Vergangenheit, den man leider Gottes nur allzu oft in den Neuen Bundesländern beobachten kann: Wismar verbindet diesbezüglich eine gewisse Schicksalsverwandtschaft mit Potsdam, Berlin oder Leipzig, wo man nur wenig beschädigte Bausubstanz aus ideologischen Gründen - zum Teil mehr als 20 Jahre nach Kriegsende - der Abrissbirne überantwortete ...

Bei meinem Besuch in Wismar im September 2003 konnte ich beobachten, dass versucht wurde, die vernichtete Kirche zumindest im Fundament wieder herzustellen bzw. dadurch in ihren Umrissen dem Besucher erkennbar zu machen. Leider fehlten damals sämtliche Erläuterungen an dem Bauwerk, die darüber Auskunft hätten geben können, ob die Rekonstruktion der Umfassungsmauern bis in eine Höhe von vielleicht einem halben(?) Meter sowie die entsprechende Aufmauerung der Stützpfeiler im Kircheninnern nur für den hinteren, an den Kirchturm grenzenden Teil der Kirche vorgesehen sind oder ob diese Maßnahme auch für das gesamte Kirchenschiff einschließlich dem Chor geplant ist. In diesem Bereich befand sich nämlich im September des vergangenen Jahres noch ein Parkplatz. Ihrem Gästebuch habe ich entnommen, dass diese Baumaßnahme auf die Anregung Wismarer Bürger zurückzugehen scheint ...

In gewisser Weise war ich über diesen Anblick erleichtert, da ein Parkplatz - so wenig passend er für diese geschichtsträchtige Stätte auch ist, von seiner Ästhetik ganz zu schweigen - in der Zukunft hoffentlich zugunsten der oben erwähnten und bereits begonnenen Umrissrekonstruktion verschwinden wird. Hätte man das Areal bereits in der jüngeren Vergangenheit durch einen Nachkriegsbau verschandelt, der jetzt erst mit beträchtlichem Kostenaufwand abgerissen werden müsste, so stünde man sicherlich vor deutlich größeren Problemen. Die Erfahrung in anderen Städten, wie eben Berlin (Stadtschloss) und Leipzig (Paulinerkirche), zeigt, dass es bei jedem Fall der "Behebung" von SED-Kulturvandalismus mindestens eine Gruppe von Befürwortern eines gesichtslosen Neubaus anstelle der Rekonstruktion des zerstörten ursprünglichen Bauwerks gibt. Dieses Schicksal möge dem Areal der Marienkirche erspart bleiben! Am schönsten - und für den Rang Wismars als Weltkulturerbe am angemessensten - wäre es natürlich, das Bauwerk könnte als Rekonstruktion wiedererstehen. Ich würde mir dies genauso sehr wünschen wie viele andere, die diese Ansicht im Gästebuch kundgetan haben. Da dies jedoch angesichts leerer Kassen wohl nicht zu realisieren sein wird, sollte das zerstörte Gotteshaus nicht nur in Form eines freien Platzes oder Parks (keinesfalls jedoch in Form eines gesichtslosen Parkplatzes!), sondern durch die wohl schon begonnene Fundament-Rekonstruktion und dadurch Sichtbarmachung der Ausmaße des Gotteshauses deutlicher in das Bewusstsein der Bürger der Hansestadt Wismar und ihrer Besucher dringen. In diesem Zusammenhang würde ich und sicherlich auch der eine oder andere Zeitgenosse eine aktive Informationspolitik bezüglich des weiteren Schicksals des Marienkirchenplatzes sowohl über das Internet als auch auf dem Areal selbst sehr begrüßen. Wie bereits erwähnt, weiß ich bis heute nicht, ob die Arbeiten auf diesem Platz, die ich im September 2003 sehen konnte, in die Zukunft weiter geführt wurden bzw. noch werden und ob gegebenenfalls eine Teilrekonstruktion der Kirche - etwa des Chores oder eines Seitenschiffes - für die Zukunft angedacht werden (über eine entsprechende Mitteilung würde ich aus diesem Grunde freuen). Zu wünschen wäre es dem Weltkulturerbe und Gesamtkunstwerk Wismar jedenfalls sehr!

zurück

   Besuchen Sie unser Gästebuch:
Herr H. V. schreibt am 10.9.03:
Nachdem ich die Fotos von der beschädigten Marienkirche gesehen hatte, wurde mir erst richtig das Ausmaß der DDR-Barbarei, verübt an einem der kostbarsten Kulturgüter Deutschlands, bewusst. Als Antwort darauf kann es für mich nur eines geben: den vollständigen und detailgetreuen Wiederaufbau, soweit er sich aus den erhaltenen Dokumenten realisieren lässt. Ähnlich wie das bei der Frauenkirche in Dresden geschieht, könnte damit ein Zeichen zur Überwindung von Barbarei und Intoleranz gesetzt werden. Fragen der späteren praktischen Nutzung eines Vorhabens von solch eminent symbolischer Bedeutung dürfen deshalb in der Diskussion nicht den Vorrang haben. Wir sollten uns keinesfalls mit dem derzeitigen Zustand abfinden, denn das würden m. E. einer nächträglichen Akzeptanz des Unrechts gleichkommen, das hier geschehen ist. Warum sonst wird wohl das World Trade Center wieder aufgebaut, wenn nicht aus dem Grund, der Welt zu zeigen, dass Akte des Terrors und des Fanatismus - und nichts anderes stellt die Zerstörung der Marienkirche dar -  letzendlich keinen Erfolg haben können?Einiges Unbehagen bereiten mir aber auch Gedanken, an die Stelle des zerstörten Hauptschiffes einen Neubau entstehen zu lassen, der in irgendeiner, offensichtlich noch nicht näher bestimmten Beziehung zum historischen Bauwerk stehen soll. Dies wäre ein großer Fehler, weil das ebenfalls auf ein Hinnehmen der durch das DDR-Regime geschaffenen Fakten hinausliefe. Abgesehen davon stellt sich die Frage der ästhetischen Wirkung eines solchen Gebäudes inmitten einer weitgehend erhaltenen historischen städtischen Bausubstanz. Was das für negative Folgen haben kann, davon kann man sich z. B. in Lübeck überzeugen, wo in unmittelbarer Nähe der dortigen Marienkirche ein modernistisches Kaufhaus entsteht. Die Stadt Wismar wäre sehr schlecht beraten, wenn sie durch die Bewilligung eines Neubaus etwas von ihrem größten Kapital, das sie besitzt, preisgäbe, nämlich der Geschlossenheit der historisch gewachsenen Altstadt.

Und gerade hier müssten m. E. Überlegungen zum Wiederaufbau der Marienkirche ansetzen. Nicht umsonst hat man die Altstadt Wismars zum Weltkulturerbe erklärt. Der Wiederaufbau der Georgenkirche mag hier als Richtschnur dienen. Eine wiedererstandene Marienkirche würde zusammen mit St. Georgen und St. Nicolai ein überaus eindrucksvolles Ensemble mittelalterlicher Sakralarchitektur ergeben, was eine weit über den Ostseeraum hinausreichende Strahlkraft zur Folge hätte. Kein noch so gelungener moderner Nachfolgebau würde auch nur annähernd diese Attraktivität für die Stadt Wismar  bedeuten. Unter dem Aspekt des Fremdenverkehrs käme also dem Wiederaufbau der Marienkirche sogar eine bedeutende wirtschaftliche Funktion zu. Angesicht der  ökonomischen Probleme in dieser Region sollte dies nicht unbeachtet bleiben. Von den vielfältigen Möglichkeiten, die das Projekt bieten könnte, möchte ich nur einiges andeuten:

- Der Wiederaufbau sollte als internationales Forschungsprojekt durchgeführt werden. Es bietet sich die einmalige Gelegenheit, den Aufau einer mittelalterlichen  Kathedrale in allen Phasen genau zu studieren und zu dokumentiernen. Die hier gewonnene Erkenntnisse können für Restaurationen und Rekonstruktionen an ähnlichen Bauten genutzt werden.

- Parallel zum Wiederaufbau könnte ein Forschungszentrum für historische Architektur entstehen (Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Hochschulen).

- Fachbetriebe präsentieren ihre Fertigungsmethoden, nutzen ihre Tätigkeit zur Außenwerbung. Ansiedlung in der Region.

- Aufwertung der Stadt und der  Region unter touristischem Aspekt: Wismar als mittelalterliche Musterstadt. Spezielles kulturelles Angebot, z. B. "Tage mittelalterlicher Musik" in der drei Hauptkirchen. Erweiterung des Freizeitangebotes (Hafen, Insel Poel usw.).

   Besuchen Sie unser Gästebuch:
zurück

Herr M. L schreibt nach seinem Besuch in der Ausstellung  "gebrannte Größe"  in Wismar:

" .... gerade die DDR, in deren Ideologie fest verwurzelt die "Achtung vor der Arbeit" war, hat in unglaublichem Umfang Werte zerstört, Kulturleistungen verworfen, um Altes durch "neue Städte für neue Menschen" zu ersetzen. Das zeigt sich auch am "Fall" der Wismarer Marienkirche oder dem der Rostocker Jakobikirche. Orte wurden um ihre Geschichte gebracht. Noch immer aber ist derartig leichtfertiges Denken, das sich noch immer als "neben der Geschichte" stehend, nur auf das Hier und Heute bezogen, betrachtet, allgegenwärtig. So passierte es mir bei einem Besuch am Freitag nach Christi Himmelfahrt in diesem Jahr auf der Backsteingotikausstellung in St. Marien, dass mir einer der dortigen Betreuer auf meine Frage nach dem weiteren Umgang mit der Fläche des ehemaligen Kirchenschiffes erklärte, "Man soll doch den Leuten den Parkplatz lassen. Der wird doch gebraucht." Dies stellt in meinen Augen eine Fortsetzung des Missbrauchs des geweihten Kirchbodens dar. Kann man nicht den Parkplatz austreiben, wie Jesus die Händler aus dem Tempel trieb? Und dann vorerst mit einfachen Mitteln den Platz würdig gestalten, aus der allgemein profanen Nutzung herausnehmen? Die könnte z.B. durch Aufmauern des Grundrisses etwa bis in Sitzhöhe geschehen, wobei zur Kenntlichmachung der Zerstörungsgeschichte auch ein Materialwechsel etwa vom Ziegel zum rohen Beton möglich wäre. Die Flächen des ehemaligen Kirchenfußbodens sollten vielleicht mit wassergebundener Decke belegt werden und sich dann allmählich mit Trampelpfaden, umgeben von aufkommendem Aufwuchs (Wiese, Wildkräuter, Birken) bedecken. Eine Oase der Stille im Treiben der Stadt, sogar ein Stück Natur würde sich bilden und den tiefen Fall der Kultur, den Rückschritt durch Verschulden von Krieg und Verblendung verdeutlichen. Spätere Generationen könnten dann anders entscheiden und - etwa - ein neues Gebäude an die Stelle des zerstörten Schiffes setzen. Dies erschiene mir der Erinnerung an einen Ort höchster kultureller und auch technischer Leistung, an Arbeit und Fleiß unserer Vorfahren, aber auch an Schrecken und Leid des Krieges und schließlich kulturelle Barbarei angemessen und müsste auch nicht sehr viel Geld kosten. Ich denke, das wäre man der Bedeutung dieses Ortes schuldig. Gerne würde ich auch weiter von Ihren Plänen zur Gestaltung dieses "wüsten Ortes" hören, was sicher auch ein Thema bei der UNESCO-Bewerbung sein wird. Zum Vergleich mit dem "Fall" Dresden verweise ich auf mein Buch "Abschied vom alten Dresden - Verluste historischer Bausubstanz nach 1945", Neuausgabe Hinstorff Verlag Rostock 2000/01, in dem vor allem auch die tragische, zeitgleiche Abrißgeschichte der gotischen Sophienkirche dargestellt ist. In Dresden wurde der Grundriss mit Pflastersteinen dargestellt, die Errichtung einer Gedenkstätte ist geplant. Leider konnte nicht verhindert werden, dass die Grundfläche (zur DDR-Zeit mit dem Freßwürfel teilweise überbaut) wiederum teilweise mit einem Büroriegel bebaut wurde. ein rühriger Förderverein unter der Leitung von Hilde Herrmann, An der Prießnitz 1, 01099 Dresden, bemüht sich, die Gelder (2 Mio. EUR) für die Gedenkstätte Busmannkapelle zu sammeln, vielleicht nehmen Sie den Kontakt zu ihr auf. Gutes Gelingen den weiteren Bemühungen um Erhaltung des Turmes von St. Marien und zur Gestaltung der Fläche des ehemaligen Kirchenschiffes, auch zu dem mit großer Freude aufgenommenen und finanziell unterstützten Wiederaufbaus von St. Georgen,          Ihr M. L.
A. P. schreibt
 
"Als ich diese Fotos sah, erging es mir wie im Falle der Leipziger Universitätskirche oder der Stadtschlösser in Berlin und Potsdam, was für eine sinnlose Zerstörung.
Ich habe in meiner Kinder- und Jugendzeit immer geglaubt, die Kirche wäre so stark zerstört gewesen, daß ein Wiederaufbau Irrsinn und die Ruine außerdem eine Gefahr darstellen würde.  Ich weiß, daß es ein umstrittener Vorschlag ist, aber ich denke, diese Kirche und nicht nur der Turm gehört zum Stadtbild von Wismar und es muß das oberste Bestreben sein, sie wieder zu errichten. Natürlich wird das eine schöne Stange Geld kosten, aber das Beispiel Frauenkirche in Dresden zeigt doch, daß so was funktionieren kann, ja, in Wismar selbst gibt es doch mit der Georgenkirche ein sehr gutes Beispiel.
Natürlich muß man das nicht sofort in Angriff nehmen, aber man muß sich diese Option offenhalten. Und das heißt für mich: Nichts anderes darf auf diesem Platz gebaut werden, keine vollendeten Tatsachen schaffen! Wir haben jahrelang mit dem Turm und dem Parkplatz gelebt, da kommt es auf ein oder mehrere Jahre weiterer Wartezeit auch nicht mehr an.
Aber die Vision muß bleiben.
Wismar hat sich so viel Mühe gegeben in den letzten Jahren und wird dafür national wie international bewundert und auch beneidet, diese einmalige Geschlossenheit des mittelalterlichen Stadtbildes zu erhalten. Da darf meines Erachtens nach kein wie auch immer geartetes "modernes" Gebäude auf der Freifläche errichtet werden.
Das Argument, was machen wir denn mit der dann wiederenstandenen gewaltigen Baumasse, ist nur ein vorgeschobenes Argument derer, die das "schöne Geld" lieber für etwas anderes verplempern wollen, möglicherweise ein weiteres nutzloses Bürogebäude oder Einkaufszentrum. Bei der Georgen- oder der Nikolaikirche fragt doch auch keiner, da ist es selbstverständlich, das ist ein kostbares Kulturgut, das gehört zu unserem Kulturerbe, das muß man erhalten. die Menschen, die für die Georgenkirche gespendet haben, würden uns nur kopfschüttelnd ansehen, wenn wir ihnen sagen würden, ach ne, laßt man gut sein, was sollen wir denn mit dieser Kirche, viel zu groß, viel zu teuer. Ebensogut könnte man in dieser Logik dann auch verlangen, was sollen wir denn mit einem Solitärkirchtum, der da irgendwo rumsteht, lasst uns den doch auch sprengen. Die Touristen, die nach Wismar kommen, bewundern unsere Stadt auch, weil sie wissen oder ahnen, daß es eine irre Anstrengung und Leistung ist, in einer Zeit, in der die öffentlichen Kassen leer sind, in der ein potentieller Investor mit dem Kniefall ganzer Landstriche rechnen kann, daß es da gelingt, eine solche stadtstruktur zu erhalten. Wenn uns unsere stadt wirklich etwas bedeutet, dann darf an diesem Platz nur eines stehen oder wiedererstehen, die Marienkirche und sonst nichts."
   Besuchen Sie unser Gästebuch:

zurück

ein Pastor i.R. schreibt:
(In Auszügen zitiert)  ".......Sie haben mir das Erinnerungsblatt zu "40 Jahre Sprengung St. Marien Wismar" zukommen lassen; vielen Dank! Ich habe diese schlimmen Ereignisse ja mehr aus der Ferne erlebt, da ich nach Krieg und Kriegsgefangenschaft im Westen landete und dann erst als junger Pastor in Mecklenburg ankam. Ich erinnere mich noch, wie froh die Mariengemeinde und mit ihr meine Eltern waren, als sie in der Neuen Kirche eine Bleibe gefunden hatten. Und dann kam der Schock mit der Sprengung des Kirchenschiffes.    .....     Den verbliebenen St.-Marien-Kirchturm empfinde ich bis heute wie einen mahnenden Finger über der Silouette von Wismar.  ..... "

  Besuchen Sie unser Gästebuch:
 

Die Studentin A. L. äußert

Ich finde Deine Idee, eine Dokumentation
über die Sprengung der St. Marien Kirche zu schreiben äußerst spannend.
Ich habe mir mal Deine Homepage angeschaut und kann für mich persönlich
einiges mitnehmen. Falls Du irgendwie Hilfe beim Recherchieren brauchst,
hier sind zwei Studenten, die Dir zur Seite stehen würden.


Herr Klaus Lehmbecker aus Hollin schreibt
(in Auszügen wiedergegeben):
" .....
St.Marien ist auch für mich ein Pfahl im Fleische      .........
Zur Sprengung gab es im vorigen Jahr ein vom "Landeszentrale politischer
Bildung" veranstaltetes Podiumsgespräch im Rathaus, in welchem die
Meinungen sehr hart aufeinander prallten. Die Vertreter der kirchlilichen
Standpunkte wurden aber offensichtlich nicht ernst genommen, denn die
Sprengung an sich ist ja eine schwere Gewissensschuld, die eigentlich auf uns
allen lastet, wie so viele andere Verbrechen der Vergangenheit. Jedenfalls wurde
danach auch von der Stadtverwaltung zur Stiftung von alten Unterlagen
aufgerufen zur Gestaltung einer Videoschau nach einem System von SONY in
einer der Seitenkapellen des Turmes. Das wurde vom Amt für Tourismus
propagiert und angesichts des bestehenden Vertrages zur Auflösung der
geistlichen Hebungen kann ich damit natürlich nicht einverstanden sein.
Andere sind es auch nicht - aber sie schweigen und aus vielen Gründen
bin ich mit Th. Beyer (Senator der Hansestadt -Anmerkung des Administrators)
in harter Auseinandersetzung über dasjenige was des
Staates ist und was unserer Kirche zukommt. Die Sprengung war ja eine
eindeutige Erklärung zur Vernichtung christlichen Glaubens und das war
in Wismar möglich, siehe oben! Ihre Schätze sollten Sie deswegen
behalten und sehr gut hüten, denn eine unabhängige und wertfreie
Verwertung und Darstellung halte ich derzeit in Wismar nicht für
möglich, nicht einmal in der Kirchgemeinde St.Marien/St.Georgen, in
welcher Pastor Schwarz einen schweren Stand hat, dem Glauben und den
Gläubigen ihre Stimme und Freiheit zu erhalten.
Aus diesen Zeilen mögen Sie erkennen, daß ich zu Wismar halte, meiner
Heimatstadt, die ich 14jährig 1945 verlassen mußte und erst 1990 wieder
frei besuchen konnte.               ...............
Darüber aber mehr im Forum, wenn es denn zustande kommt. Darauf bin ich
gespannt, und diesen Gruß können Sie auch gerne als Beitrag verwende                                       zurück
                 Besuchen Sie unser Gästebuch:

                                           C.B. aus Wismar schreibt

"Vor einigen Jahren war es im Gespräch, ein Gebäude - der Größe des ehemal.
Kirchenschiffes von st. Marien nachempfunden - an den Turm zu bauen. Es
wurde ein Wettbewerb ausgerufen, bei dem Architekten ihre Ideen in Modellen
vorstellten. Ein Architekt hat den Wettbewerb auch gewonnen. Was aber ist
inzwischen mit den Ideen passiert? Der Wettbewerb war - denke ich - vor etwa
5 Jahren.Wie könnte man so ein Gebäude nutzen? Diese Frage müssen wir uns stellen,
bevor so ein wettbewerb ausgerufen wird. Und da wir als Wismarer
uns diese Frage stellen müssen, frage ich mich, wie wir in diesen
Entscheidungsprozess eingebunden werden können. Wir sollen ja mit dem
Gebäude in der Zukunft wieder arbeiten. Eine Idee, die sicherlich schon öfter geäußert wurde, ist,
daraus ein Kommunikationszentrum zu machen. Also einen Ort der Begegnung
- sozusagen eine moderne Kirche. Dort könnten Teile der Stadtverwaltung, Vereine,
Konferenzräume, Ausstellungsräume untergebracht werden.
Oder eine ökumenische Kapelle oder eine Bürgerwerkstatt."
                                                                                 Besuchen Sie unser Gästebuch:
Herr Ch.Sch. aus Wismar schreibt
"Als ich mein Studium in Leipzig begann, wurde gerade die bis dahin
unversehrte Universitätskirche gesprengt und in wenigen Tagen waren die
Trümmer beseitigt. Die seelischen Trümmer sind bis heute erhalten, weil
alle, die mutig gegen derartige Kulturbarbarei und Demontage des
christlichen Glaubens protestiert haben, in Haft genommen wurden. Die
heutige Gesellschaft scheint das nicht zu stören. Es wird allenthalben das
Fehlen touristischer Attraktionen bedauert. Allein unter diesem Aspekt macht
unsere Hansestadt St. Georgen wieder fein. Das finde ich nicht weniger
bedauerlich als die Zerstörung, macht es doch die Phantasielosigkeit und die
Sinnentleerung unserer Tage vollends offenbar. ..............
Ich danke Ihnen für Ihr Engagement und möchte gerne behilflich sein, diesen
Teil der Geschichte in Wismar lebendig zu halten. Wir sollten darüber reden.

                                                                                                                          zurück
 

Herr S. aus Wismar schreibt:
natürlich kann ich bei einer solchen Aktion für unsere Stadt nicht nein sagen und will gerne meinen Beitrag dazu leisten. .......
Vielleicht sollten sich die Akteure einmal zunächst treffen, um auch Aufgaben abzusprechen, da es sonst zu Doppelungen kommen könnte.
Die Sprengung der Kirche habe ich als 15 jähriger verfolgt und ich weiß, daß im städtischen Archiv nicht wnig dazu liegt, obwohl ich denke, daß zu diesem Thema sehr viel aufbereitet ist. Trotzdem und gerade in Hinblick auf St. Georgen, die meine "Heimatkirche" war und jetzt aufgebaut wird, sollte man St.Marien als Fragment mit der Aufgabe an zukünftige Generationen zum Wiederaufbau erhalten und anmahnen.Das mag fast übertrieben sein, doch warum können nicht künftige Generationen einen Erhalt zur Identifizierung der Stadt Wismar, und dazu gehören die Kirchen, beitragen.
Sie sehen also, es gibt genug Gesprächs- und Diskussionsstoff und ich werde mich weiter bemühen.

  Besuchen Sie unser Gästebuch:
 

Der Pastor der im Krieg zerstörten Dresdener Frauenkirche schreibt:
"Ist ja interessant, das mit St.Marien in Wismar. Wird dort die
nächste Wiederaufbau-Initiative gestartet ? Wie auch immer, es ist eine Zeit,
in der man Verluste dieser Art offenbar wieder stärker empfindet. Darüber
lohnt es sich nachzudenken. Vor 20-40 Jahren  war das anders.
Da haben wir von der Kirchen selbst wenig Wert auf die "alten Buden" gelegt.
Da hat sich jetzt etwas verändert. Ist das die Suche nach einer Identität, die sich
auch über die alte Kirche vermittelt ?
Das sind Fragen, die ich mir stelle angesichts des Phänomens, die der
Wiederaufbau Frauenkirche darstellt."

Frau Dr. K. schreibt:
"Ich finde die Idee des Diskussionsforums wunderbar und werde mit
grossem Interesse verfolgen, was zusammenkommt. Zu Wismar kann
ich nichts sagen, aber ähnliche "sozialistisch-architektonische
Bereinigungen" gab es ja z.B.auch in Rostock. Dazu gibt es bereits
einige Publikationen, aber wer weiss, was noch zutage kommt... "
                                                   Besuchen Sie unser Gästebuch:
zurück